Kultur & Gespenster: NO BALANCE
Anna-Lena Wenzel: L - Liebe
Christian Bernhardt: Jana Jana Jana

Neue Rezensionen und Texte

  

 

Vielleicht muss man sich den Zwang der Gattung Traum einfach wegdenken und heraus kommt ein Miniaturenband Prosa, der Seinesgleichen sucht. Überbordend, kritisch und nach einer Regel komponiert, die so undurchschaubar ist wie nichts sonst. Einzig Perecs selbstajoutiertes Glossar, das gewohnt den Gesetzen seiner Listenmanie folgt, regelt ein wenig die Zugehörigkeit der Themen und allein jene eigene Auswertung seiner selbst hat den kompositorischen Atem der späteren Bücher.

 

 

In unserer an gesellschaftlichen Lebensentwürfen armen Zeit, in der alles immer nur gerettet werden soll, um den Status quo aufrechtzuerhalten, Umwelt, Gesundheit, Kapital, Geld, Lebensstandard und Familie, tun diese Utopien gut. 

 

Die Feststellung, dass ein deutscher Neologismus wie »Rettungsschirm« nur dreimal in der FAZ gestanden haben muss und schon kommt das Wort jedem Gebildeten völlig normal vor, was aber eben den Übersetzern überall auf der Welt großes Kopfzerbrechen bereitet, ist fatal und komisch. Der Befund, solange man sich abends noch die Zähne putzt, nicht von einer Depression zu sprechen ist, sondern höchstens von einer Verstimmung, wiederum komisch, genauso wie die sehr treffend als »raunende Transformation von keinen Ideen in ein babylonisches Kauderwelsch« charakterisierte Bürokratie. Alle diese Bemerkungen sind, ein wenig tragisch kratzbürstig zwar, aber deshalb wirklich erleichternd.

 

Assemble hat all jene eines Besseren belehrt, hat interessante Architektur geschaffen, temporär bis dauerhaft, hat Netzwerke gegründet, Gründungsimpulse gesetzt und vor allem: soziale Bewegungen und Mobilisierungen hervorgerufen, die sich mittlerweile selbst tragen. Sie haben einer „feindlichen“ Stadtplanung und Politik ein „Uns egal, wir machen es selbst“ entgegengestellt.

Die Jazz-Avantgarde wird alt und wirkt jung – Jazz-Freigeister: die Amerikaner Jack DeJohnette und Archie Shepp in Verbindung mit der deutschen Jazzszene.

 

Fusionbenachbarter Free Jazzer Jack DeJohnette

Spiritueller Free Jazzer Archie Shepp

Blue John Coltrane


 

Die Hofnarren, das waren in absolutistischen Zeiten die Spaßmacher, aber auch die, denen es als einzigen erlaubt war, dem Herrscher gegenüber die Wahrheit zu sagen, und zwar durchaus im emphatischen Sinn und nicht als bloße Meinung einer Stimme aus dem Amüsierzoo.