Neue Rezensionen und Texte

  

Wer will nicht lieber gut unterhalten sein, als sich von anderen langweilen zu lassen? Auf dem Feld der Kunst hat man aber schon immer ein bisschen mehr verlangt als bloße, wenn auch gute Unterhaltung. Und wer dieses Mehr, was auch immer das sei, nicht bietet, gilt als trivialer oder schlechter Künstler. Die Seite des Leichten weiß sich dennoch zu wehren. So schreibt zum Beispiel im Jahr 1822 ein Redakteur des Literatur-Blatts, einer Beilage zum Morgenblatt für gebildete Stände, über H. Clauren, den „Lieblingserzähler der Modewelt“: „... an solchen Autoren ist nicht gut kritisieren. Sie wollen nichts, als angenehm unterhalten, es gelingt ihnen; aber für dasjenige, was der Lesewelt angenehm seyn soll oder nicht, hat die Kunstphilosophie noch keinen Maßstab erfunden. 

 

Die Aura ist der Niederschlag einer Person, die meist selbst schon auratische Züge trägt, auratische Wesen wirken ansteckend, und alles, was mit ihnen in Berührung kommt, ist auf seltsame Art geweiht. Wenn also Derrida nicht zu Hause ist, dann stehen wir immerhin vor seinem Haus und kommen ins Nachdenken oder Grübeln. Die Aura ist wie die Pest, nur dass wir sie nicht fliehen, sondern wir uns ihr gerne stellen. 

 

Gene können eine Generation überspringen. Träume offenbar auch. Sam Weems ist ein erfolgreicher Astronaut und Planetenforscher, Exobotaniker und echter Held. Auf einem fernen, gleich zwei Sonnen umkreisenden Planeten füllt er seine interstellare Botanisiertrommel nicht nur mit pflanzlichen Funden, er entdeckt außerirdisches Leben: ein wunderschönes Alienmädchen mit großen Augen, in denen er im kurzen Moment ihrer Begegnung mehr Wunder erblickt als im ganze Universum. 

John Martz: Destination X

Schlechte Kunst (3)

Anders als Platon glaubt Aristoteles an eine positive Wirkung der Künste (speziell des Dramas), welcher moralische Effekt (Katharsis) aber genau gemeint war, das ist bis heute Gegenstand ästhetisch-wissenschaftlicher Auseinandersetzungen. Wie auch immer, Aristoteles hatte eine genaue Vorstellung davon, wie ein Drama zusammengesetzt sein müsse, damit es gut sei, jede Abweichung von der Regel war per se schlecht. Aus heutiger Sicht überrascht es, dass ein Fachfremder (Aristoteles schrieb anders als Lessing keine Theaterstücke) sich zumutete zu dekretieren, wie man Kunst machen müsse – ein Sakrileg für jeden Individualmythologen.

                                                                                                                                                                 

Rupert Gaderer: Q - Querulanz
Kunst und Design. Eine Affäre
Axel Loytved: What to say