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Kultur & Gespenster Nr. 13 »Stabile Seitenlage«
»Die ganze Branche ist konkurs. das Ganze hält sich nur noch mit statischer Schläue.« So äußert sich der Verleger Jörg Schröder 1985 im Film »Die März Akte« gegenüber seinem Betriebsprüfer. Aus dieser physikalisch höchst fragwürdigen Solidität ist der Kulturbetrieb inzwischen in eine offenbar ungemindert stabile Seitenlage gekippt. Um diesen Umstand zu illustrieren, ist das aktuelle Heft »Kultur & Gespenster 13« ein wenig schräg abgeschnitten. Außerdem kann man lesen, was sich trotz stabiler Seitenlage, Koma und ausbleibenden Rettungsmannschaften noch denken lässt und ließ.
Adorno bekam Fanpost. Seine interessierten Leser befragten ihn zu so unterschiedlichen Dingen wie der Organisation eines Coming-out oder dem Bau von Umgehungsstraßen. Adorno antwortete gewissenhaft. Philipp Felsch und Martin Mittelmeier haben eine Auswahl der schönsten Korrespondenzen zusammengetragen und kommentiert.
Pierangelo Maset und Daniela Steinert berichten von der derzeit irrsinnigen Lage an den deutschen Hochschulen.
William Pannapacker beschreibt Vergleichbares aus dem amerikanischen Universitätsbetrieb und rät dringend von der Promotion ab (es sei denn man hat ein mittleres Vermögen geerbt und langweilt sich damit).
Marie Luise Birkholz interviewt Joachim Häfele zur sogenannten Broken-Window-Theorie, dabei geht es auch um Kaugummiflecken und kriminelle Taschentücher.
Johannes Hoff bewegt sich auf den Spuren von Hugo Ball und dessen Idee einer Neujustierung des Verhältnisses von Wissenschaft, Kunst und Religion.
Till Greite berichtet über Walter Höllerers Literarisches Colloquium, das verblüffende Ähnlichkeit zu einem kreativen Assessmentcenter hatte.
Das Insert dieser Ausgabe ist der Ausstellungsserie Reihe:Ordnung gewidmet, die bis 2009 im Kunstverein Harburger Bahnhof gezeigt wurde.
Eine Rückschau auf ein Ausstellungsexperiment von Britta Peters und Tim Voss sowie allen beteiligten Künstlern.
Außerdem in bewährtem Durcheinander Bilder, Rezensionen und weitere Texte von: Jens Asthoff, Jul Gordon, Hans Imhoff, Leo Leowald, J. D. Löffelholz, Frank Lüsing, Paul Maenz, Heiko Neumeister, Christiane Opitz, Nora Sdun, Harald Nicolas Stazol, Daniela Steinert, Anke Wenzel, Steffen Zillig.
Die Redaktion
Kultur & Gespenster 13
Stabile Seitenlage
292 Seiten
12 Euro
ISBN: 978-3-941613-05-8
Textem Verlag, Hamburg, 2012
Apropos intellektuelle Ausreißer: Dass der Job dieser Zeitschrift als intellektueller Rettungsdienst zermürbend ist wie beim echten Notdienst, muss wohl nicht betont werden. Wie lässig diese Zeitschrift das trotzdem macht und dabei schön aussieht und unverkrampft ist, davon kann man sich auch in der aktuellen Ausgabe ein Bild machen.
taz, Philipp Goll, 10. April 2012
Als Kulturzeitschrift apostrophiert, steht das Journal womöglich für die Tendenz, nach der Flut an soft-seichten Hochglanzheften, an Lifestyle- und Zeitgeist-Magazinen wieder verstärkt die intellektuelle Debatte zu suchen, ohne in den bärbeißigen Jargon früherer Jahre wie dessen Textlastigkeit zurückzufallen.
Michael Mayer, artnet März 2012
Die Zeitschrift "Kultur und Gespenster" gehört zu den derzeit erfreulichsten und erregendsten intellektuellen Produkten.
Lorenz Jäger, F.A.Z., 02. 06. 2010
Es spricht für das Rhythmusgefühl von Kultur & Gespenster genauso wie für deren so weiten wie präzisen Kulturbegriff, wie hier nicht nur feinsinnige Bildstrecken auf grobkörnige Bleiwüsten folgen, sondern auch, wie historische Texte lässig und konsequent mit Zeitdiagnosen verknüpft werden. Es sind immer die interessantesten Phänome, die selbst ein neues Genre begründen.
Florian Illies, DIE ZEIT, 12. 11. 2009
Das Magazin in Buchformat widmet sich Hochkultur und Trash mit derselben Sorgfalt. Geistreich und trotzdem vergnüglich.
Stern Nr. 5, 24. 1. 2008
Diese Zeitschrift, gemacht von drei klugen jungen Leuten in Hamburg, besticht durch ihre Ernsthaftigkeit - konkret: durch die Gratwanderung zwischen akademischer Finesse und poetischem Bekenntnis.
Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau, 20. 11. 2007
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