Louis-Ferdinand Célines Roman Tod auf Raten in der Neuübersetzung ist frisch und zugleich noch immer/für immer schwierig. Ein trauriges, illusionsloses Werk Skatophilie voller seltsamer, doch durchdringender Bilder.

 

Claus Böhmler war ein Durchlauferhitzer im Dauereinsatz. Montag, Dienstag und Mittwoch war Sprechstunde. Dabei ist Stunde untertrieben, er konnte bis zu 8 Stunden am Stück sprechen. Man schickte Wort, Klang und Bild in den Ideen-Boiler, der sie erhitzt wieder abgab. Kaleidoskopisch bewegte er sich über sämtliche Assoziationsplateaus springend.

 

Blavascunas‘ 2020 bei der Indiana University Press erschienenes Buch Foresters. Borders and Bark Beetles nimmt sich vor, Bialowieza – dieses vormenschenalte Stück Natur – als eine Art contested-space-and-time der letzten zweiunddreißig Jahre zu präsentieren. In dieser kurzen Zeitspanne hat eine Förster-Fraktion nach dem Ende des Kommunismus mal paktiert mit und mal agi(ti)ert gegen international anerkannte und gesponserte Wissenschaftler*innen; dazwischen standen, ebenfalls sehr volatil, die walderhaltungsgetriebenen conservationists.

 

In Der Große Pan geht es um Wahrnehmung. Lesende tappen bis zum Schluss im Dunkeln, werden von Blitzlichtern wie Laternen ins Bild gesetzt, dann blendet die Geschichte brüsk ab, oder wird neugestartet mittels eines gefundenen Briefs Jahre danach. Die wahrnehmungsüberempfindlichen Herren laufen durch feuchte Straßen, geben sich ihren Gedanken hin, träumen von neuen Erfahrungen, sind randvoll mit jugendstilartig verrankten Erinnerungen an Waldwiesenbesuche oder ehemalige Freunde, die mysteriös aus ihrem Leben verschwunden oder vom Weg abgekommen sind.

 

Das Buch zeichnet das Bild eines Architekten, dessen Gebäude entweder expressionistisch ausfallen können, dabei ein Nebeneinander aus postklassizistischen Elementen anbieten oder aber ziemlich rationalistisch geraten, wie bei den öffentlichen Gebäuden, Büros etc. Dieses scheinbar Gleichberechtigte von eigentlich schwer zu vereinenden Strömungen wirkt unideologisch und frei fließend. Die Friedhöfe von Malmö und Stockholm unterlegen dies – es geht hier um mehr als Stil.

 

Sophie Calles anarchische Episoden stehen in Kontrast zur Bibliothek Suhrkamp-Ausstattung des schmalen Bandes, der dieser Tage erschienen ist, von Sabine Erbrich übersetzt. Die katalogische Methode, seine interagierende Respektlosigkeit machen ihn zu einem Unikum in einer Landschaft von in letzten Jahren populären französischen biografisch gestalteten Texten. Ein Chronik-Hit aus einem neugierig gebliebenen Blickwinkel.