Neue Rezensionen und Texte

  

 

Dass es heute ein Handbuch zu Ernst Jünger gibt, weist darauf hin, dass die Zeiten der Dämonisierung (in beide Richtungen: von Jünger aus und hin zu Jünger) vorbei sind. Sein Werk hat begonnen, historisch zu werden. Das heißt, dass der Leser, vermutlich ganz unbewusst, das Jünger'sche Werk "stereoskopisch" lesen wird. Man geht darin nicht mehr auf wie früher, man spricht nicht mehr, wie noch Robert Petsch in den 1930er Jahren, von der "einzigartige(n) Kunst der Wortung bei Ernst Jünger". Und so ist der Duktus dieses Handbuchs auch nicht der des "magischen Realismus", sondern natürlich der einer distanzierten Sachlichkeit, die nicht das Wichtige bloß in Aussicht stellt. 

 

Mühsam war kein trockener Theoretiker, der sich auf die Diskussion schwieriger Textpassagen einließ. Er war ein von seinem Glauben Überzeugter, seine Bibel die zu offenbarende Güte des Menschen. Ohne diesen religiösen Aspekt wird man Erich Mühsam nicht gerecht. Von daher erübrigt sich eine rein sachliche Auseinandersetzung mit dem Anarchisten. Das Primat der edlen Gesinnung wird nicht durch einen korrekten logischen Schluss bewiesen. Angesichts der Zeitläufte, in die Mühsam heineingeboren wird, ist diese Setzung natürlich einigermaßen bizarr.

 

Im 19. Jahrhundert gab es in den Pariser Frühjahrssalons die berüchtigte "Gemäldemauer". Heute ist man erst einmal mit einer Mauer aus lauter Namen konfrontiert, von denen die meisten von einer späteren Kunstgeschichtsschreibung auf ewig ungelesen bleiben werden. Wer schafft es, dass sein Name auserwählt wird? 

Wenn man dieses Buch schließt, ist man sehr ratlos. Und eigentlich warten noch weitere mindestens 10.000 Analysen zeitgenössischer Künstler darauf, wahrgenommen und miteinander vernetzt zu werden. Nur wenige Menschen vermögen das zu leisten. Es sind die Märchenerzähler zum Mythos "Zeitgenössische Kunst".

 

                                                                                                                                                                 

Volker Renner: Der große Preis
Florian Hadler: Geheimnis
Werner Büttner: Düngeschlacht