Neue Rezensionen und Texte
Bevor ich hier meiner Verachtung für Kinderbücher – und Comics bewegen sich oft in deren Nähe – freien Lauf lasse, hier die großartigen Comic-Neuveröffentlichungen:
„Der Geheimnisvolle Fremde“ vom großartigen Atak bei Carlsen, „Chagall in Russland“ vom unterschätzten Joann Sfar im avant-verlag und von der neuen Comic-Hoffnung Brecht Evens „Die Amateure“ bei Reprodukt. Natürlich wieder aus dem Feld zwischen Kunst und Comic.
Als scharfsinniger Soziologe der Weimarer Republik gelingt es Kracauer mit seinem ersten Roman, das Bild einer Kriegsgesellschaft mit ihren Institutionen zu entwickeln, ohne den Krieg selbst ins Zentrum seiner Erzählung zu rücken. Er berichtet vom Alltag, der missverstandenen Helden- und Opferbereitschaft der Bevölkerung, und verweist auf die weitläufigen Verflechtungen zwischen der Front und dem, was propagandistisch mit den Chiffren „Hinterland“ und „Heimatfront“ bezeichnet wurde. Dieses Interesse an den Verstrickungen von Alltagskultur und Ideologie wird er später in seiner grundlegenden filmhistorischen Studie „From Caligari to Hitler. A Psychological History of the German Film“ (New York 1947) weiterentwickeln.
Das Streitgespräch, so der Eindruck vieler, hat abgedankt und Platz gemacht einer grundsätzlichen Assistenzpflichtigkeit des Interviewers dem Interviewten gegenüber. Wie ein solches Streitgespräch heute (wieder) aussehen könnte, bleibt offen. Dessen Möglichkeit hätte zur Voraussetzung, dass sich der Fragende klar geschmacklich ausrichtet, dass er eine Position bezieht. Aber vermutlich hat man genau diese Form des Interviews als Streitgespräch einst bewusst hinter sich gelassen, weil man sich der Nichtnotwendigkeit der kritischen Position irgendwann bewusst wurde. Man will heute den Künstler nicht mehr belangen. Was will man dann? Vielleicht so etwas wie Situierung, Verschaffung eines Kontextes, ein bisschen Plausibilisierung, manchmal vielleicht auch ein bisschen Spaß.
Wer will nicht lieber gut unterhalten sein, als sich von anderen langweilen zu lassen? Auf dem Feld der Kunst hat man aber schon immer ein bisschen mehr verlangt als bloße, wenn auch gute Unterhaltung. Und wer dieses Mehr, was auch immer das sei, nicht bietet, gilt als trivialer oder schlechter Künstler. Die Seite des Leichten weiß sich dennoch zu wehren. So schreibt zum Beispiel im Jahr 1822 ein Redakteur des Literatur-Blatts, einer Beilage zum Morgenblatt für gebildete Stände, über H. Clauren, den „Lieblingserzähler der Modewelt“: „... an solchen Autoren ist nicht gut kritisieren. Sie wollen nichts, als angenehm unterhalten, es gelingt ihnen; aber für dasjenige, was der Lesewelt angenehm seyn soll oder nicht, hat die Kunstphilosophie noch keinen Maßstab erfunden.








