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9. 4. 2021

Seit es die Ausgangssperre gibt, bin ich nun abends ganz allein der riesigen Viktoriakaserne, wo ich seit einem Jahr mein Homeoffice für die Schlussredaktion habe. Für die beiden Abende, wo die Schicht bis in die Nacht geht, habe ich mir von meinem Chef eine Bestätigung schicken lassen. Na ja, es sind nur ein paar hundert Meter nach Hause, aber was ist, wenn ....

Lesen im Blog

Michael Hopp: Mann auf der Couch (Roman)
Jörg Heiser: Freiheit ist kein Bild
Susanne Lorenz (Hg.): grund – Übung, Haltung / Exercise, Approach

Neue Rezensionen und Texte

  

 

„Gefährten des Todes“ ist ein Roadmovie, eine Antiheldenreise, eine Läuterungstour, ein Passionsweg. Der Regisseur Sam Peckinpah war Zeit seines Lebens ein Getriebener, ein Outlaw, einer, der ähnlich der Hauptfiguren seiner Filme, einer Zeit zu entstammen schien, die von der Moderne überrollt und zermalmt wurde, eine Tatsache, die Peckinpah filmisch auffing, indem er in seinen Filmen Trauergesänge auf einen „Wilden Westen“ anstimmte, der ihm als gelobtes Land erschien.

 

Von Hoppe, der Literaturkünstlerin, zu Wussow, der Kunstermöglicherin, schlagen kluge Funken. Manchmal fliegen sie auch ein bisschen, was an Hoppes sympathisch selbstgewisser Führung des Gesprächs liegt, das auf Sylt stattgefunden hat. Den üblichen Erwartungshaltungen an Reisen und ihre Transformation in Sprache erteilen beide Absagen.

 

Detailliert, bedacht, behutsam hat Vera Bischitzky diesen Klassiker der deprimierenden Weltliteratur neu übersetzt (Hanser Verlag), der in seinem Figurenansatz durchaus tragikomische Züge trägt, in manchen Dialogen fast zum Screwball oder einem Billy Wilder driften könnte.

 

Das einfache, jahrtausendealte Senkblei steht hier für eine allgemeinere Methode. Eine Methode des Gesprächs, in der sich Kluge und Vogl an der Oberfläche treffen, sich an Zu- und Unfällen der Welt abarbeiten, den Boden vermessen und die Bleigewichte schließlich in unbekannte Tiefe hinablassen.

 

Selbst wenn man die Annahme vertritt, dass letztlich jede Form der Politik identitätspolitisch gerahmt, auf einen identitätspolitischen Kontext zurückgeführt werden kann, so folgt daraus nicht automatisch, dass jede Politik diesen unausweichlichen identitätspolitischen Kontext und diese potenzielle identitätspolitische Rahmung als ihren eigenen Anfangspunkt affirmieren muss.

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