Kultur & Gespenster: NO BALANCE
Anna-Lena Wenzel: L - Liebe
Christian Bernhardt: Jana Jana Jana

Neue Rezensionen und Texte

  

 

Über das Beleidigen der Intelligenz. Meine Freundin Sabine arbeitet in einer großen Traditionsfirma. Es ist immer toll, ihr zuzuhören, wenn sie davon erzählt. Na ja, nicht immer. Aber meistens, weil, man glaubt ja nicht, was alles möglich ist in einem Traditionsladen – und auch, was nicht möglich ist, und zwar alles jetzt, im Jahr 2017. Leider darf ich hier nicht sagen, wo sie arbeitet. 

 

 

 

Vielleicht sucht der Leser das hagiografische Element, aber er wird es nicht finden, kein Held, der nicht zugleich ein Schurke ist, keine Majestät, die sich nicht zugleich unmöglich macht. Dabei fallen zwei Gestalten auf, die man unschwer als Sprachrohr des Autors interpretieren wird, Machiavelli und Michelangelo. In Machiavelli wird sich der Diplomat Gobineau wiedererkannt haben. In der Weltläufigkeit des Florentiner Sekretärs, aber auch in der Begrenztheit der Wirkmächtigkeit. Zuletzt ätzt Machiavelli mit passenden Sarkasmen gegenüber denen, die glauben, mit Wortlaub und Begriffszunder eine neue Welt aufbauen zu können. 

 

 

Kunst anschauen funktioniert ähnlich wie Bilder herstellen: opportunistisch. Ohne pädagogisches Anliegen, Expertenwissen und sicherem Stand. Operierend im Namen einer Affinität, die sich erst noch herausbilden wird. Immer auf Gelegenheiten aus, die passieren werden – ganz sicher!

Peter Rühmkorf erklärte die Arbeitsweise seines Kollegen Werner Riegel als eine Verrücktheit, die diesen ergriffen hätte: als »den verrückten Traum von einer Wiedergeburt der Unschuld aus dem Geiste der Reflexion«. Das trifft auch die Sache von Alexander Rischer ganz gut.