Kultur & Gespenster: NO BALANCE
Anna-Lena Wenzel: L - Liebe
Christian Bernhardt: Jana Jana Jana

Neue Rezensionen und Texte

  

 

Amerikanisches Südstaatenleben und Musik in Nashville und Memphis: Stax Records, Melissa Etheridge und Lambchop

Soul Tales – Stax Records gibt es seit 60 Jahren und Melissa Etheridge tut the funkiest Woman alive in der Rockmusik mit "Memphis Rock And Soul" 

Lambchop mit Country und Electronics: FLOTUS wie "For Love Often Turns Us Still" 

 

 

 

Warum es sich um eine "Abrechnung mit der Indie-Pop-Szene" handeln soll, ist nicht klar, so will es der Klappentext. Es handelt sich vielmehr um das Milieu, in dem diese Liebesgeschichte zwischen zwei sehr unterschiedlichen Menschen spielt, that's it. Es hätte genauso gut ein anderes Milieu sein können. Es ist keine Abrechnung, es ist das Leben, wie es die beiden aus Almut Klotz Sicht geführt haben, und deswegen ist der Text so gut.

 

Will, wer links ist und womöglich rechts handelt, gar keine "wahre Mitte" anstreben, sondern ganz klar die Umkehrung aller Verhältnisse? Die Probe aufs Exempel soll mit der Revolutionstheorie des Franzosen Louis-Auguste Blanqui (1805-1881) gemacht werden. Die Annalen des linken Spektrums führen ihn weniger als Theoretiker denn als Aktivist und Stratege. Marx und Engels haben ihn wegen seiner in ihren Augen fehlenden oder unzulänglichen Klassenanalysen nicht richtig ernst genommen. Er war ihnen nicht "wissenschaftlich" genug. 

 

 

Am 10.07.1932 ist Jürgen Beckers Geburtstag. Die Erinnerungen des Büchner-Preis-Trägers also gehen bis zurück in die Zeit des 2. Weltkriegs. Damals lebte auch Lee Miller: Ab 30.04.1945 gab es in Berlin Hitler nicht mehr. Dies soll keine sichere Tatsache sein. Und an diesem Tag soll die amerikanische Fotografin Lee Miller in seiner Münchner Wohnung ein Bad genommen haben. Eventuell aber soll Hitler nach Argentinien oder in die Antarktis entkommen sein. Ein Foto belegt, dass Lee Miller in seiner Badewanne saß. Davon weiß ich seit meiner Buchbesprechung von Jürgen Beckers "Scheunen im Gelände". 

 

 

 

In der Reihe "Naturkunden" sind bei Matthes und Seitz zwei neue Bände erschienen, die sich gegenseitig inhaltlich zu bedingen scheinen. Auch äußerlich ähneln sich Der Heimatinstinkt und Die Einsamkeit der Wüste. Von Judith Schalansky herausgegeben, erfreut sich die Reihe einer aufmerksamen Buchgestaltung mit jeweils unterschiedlicher Typo und wechselnden Formaten. Manchmal ist die Reproqualität das einzige Manko der Bücher, doch ansonsten ist die Gestaltung auf extrem hohem Niveau: angenehm anzufassen, gut zu lesen und minimalistisch im Einsatz ihrer Mittel. Inhaltlich lohnen beide nicht weniger. 

 

Von Frank Schäfer in »Homestories«, Textem Verlag 2008

Hervorgeholt anlässlich des Alternativen Büchner-Preises an Wolf Wondratschek 2017

Als wir einige Wochen vor unserem Treffen telefonierten, meldete sich ein Wolf Wondratschek, dessen zurückhaltende Jovialität und sympathische Kollegialität eigentlich nicht recht passen wollten zum unironischen, hartgesottenen, immer etwas zu virilen Steher-Image, das man aus zahlreichen Talkshows und Magazin-Artikeln kennt. Ein Image, das sich in den letzten Jahren, vielleicht auch schon Jahrzehnten, immer mehr vor das eigentliche Werk gestellt hat – breitbeinig und mit dicker Hose. Man war auf einiges gefasst, zumal ein paar Stunden zuvor die Pressedame sich nicht gescheut hatte, noch einmal den guten alten Presseabteilungs-Klassiker zu bringen. Der Mann sei ja »schwierig« … 

 

 

»Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht«, empfiehlt eine Initiative des Bundesfamilienministeriums und des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Aber warum sollte das nur fürs TV und die digitalen Medien gelten? 

Ein schmales Buch des 1937 geborenen französischen Philosophen Alain Badiou droht derzeit damit, die Erziehungsarbeit der Elterngeneration gezielt zu unterwandern. 

 

"Die Inhalte und Gesichtspunkte der Politik sind recht bunt und verschiedenartig, und doch: wie absolut einleuchtend war gleichwohl zum Beispiel die Reihenfolge der Parteien des Weimarer Reichstages: Kommunisten, Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum, Volkspartei, Deutschnationale, Nationalsozialisten. Es gab auch Gruppen, die nicht völlig eindeutig einzugliedern waren (so konnte man etwa im Zweifel sein, ob die Bayrische Volkspartei rechts oder links von der Deutschen Volkspartei stehe), aber selbst darüber schuf ein schlichter Tatbestand eindeutige Klarheit: die tatsächliche Sitzordnung."

 

 

Im Zentrum der Ausstellung „Zurück zur Figur – Malerei der Gegenwart“, die immer noch relevant ist, wenn auch vor einigen Jahren präsentiert, ein großer, hellgrauer Raum. Er wirkt wie ein Kraftfeld mit Bildern von Maria Lassnig, Eric Fischl, Johannes Grützke, Lucian Freud, Norbert Tadeusz, Jenny Saville, neben denen noch einige weniger Nennenswerte platziert sind.

 

 

Die Genealogie bleibt auf der "rechten" Spur. Denn auch Nietzsches liberaler Hallraum ist gewiss nicht "links" konnotiert. Das emphatische nietzscheanische Individuum kann nicht links ticken. Aber auch nicht rechts: Wer so viel Tradition abbaut, ist weder konservativ noch reaktionär. Vielleicht ist es nur eine Geschmacksfrage, aus einem Weder-noch ein Sowohl-als auch zu machen.