Neue Rezensionen und Texte

  

 

Zum Schattenvolk gehören auch die zwei miteinander knutschenden Endvierziger-Männer. Vielleicht nicht gerade zu meinem, wohl aber zu dem von Olivier Schrauwen. Aber warum soll ich mich für die interessieren? Anders gefragt, sozusagen aus dem Schattenvolk der Leser heraus, wen von uns soll das interessieren? Genauer gesagt: Ich stelle mir jemanden schattenhaft vor, den das wie mich interessiert; zwei miteinander knutschende Endvierziger-Männer im Inneren eines Richard B. Fuller anmutenden Kuppelbaus.

 

 

„Erkenntnis und Interesse“ erschien 1968 und ist ein Schlüsselwerk jener theorieverliebten Epoche. Es überrascht trotzdem, dass dieser abstrakte Text auch außerhalb der Philosophie viele Leser gefunden haben soll. Er ist nicht gerade gefällig und locker geschrieben. Ein Quell schöner Stellen und zitierfähiger Passagen ist „Erkenntnis und Interesse“ (EuI) nicht. Wie hat es seine Wirkung entfaltet? Durch sein griffiges Leitmotiv: „Erkenntnistheorie muss Gesellschaftstheorie sein“? Womöglich schon. „Gesellschaft“ war ein magischer Ort wie in näherer Vergangenheit nur das Internet.

 

Nach dem vergriffenen Katalog der "a_schau" im Architekturzentrum Wien über die österreichische Architektur im 20./21. Jahrhundert muss nicht länger gesucht werden. Park Books hat ihn nicht nur neu herausgegeben, sondern auch um bedeutende Teile erweitert, aktualisiert und über die bloße Listung der Exponate der Ausstellung hinaus zu einem für sich allein stehenden Kompendium gemacht. Die Herausgeber selbst bezeichnen es als "Standardwerk", und das ist angesichts der Fülle an Projekten auch die richtige Kategorie.

 

 

 

Der Pianist und Musikschriftsteller Tomas Bächli macht den ehrenwerten Versuch, den Musiker Satie nicht nur in verschiedenen Gesprächen etwa mit Kollegen aus dem Musikbereich vorzustellen, sondern ihn auch mittels musikalischer Analysen und Werkbetrachtungen als Komponisten begreifbar zu machen. Der Verlag hat dazu löblicherweise mit dem Autor eine Plattform im Internet bereitgestellt. Für den bloßen Genießer braucht es das nicht. Der lässt sich vielleicht eher von der folgenden Selbstauskunft des Komponisten beeindrucken: In einem Brief an seine einzige beglaubigte Geliebte, Suzanne Valladon, heißt es: "Für mich gibt es nur die eiskalte Einsamkeit, die meinen Kopf mit Leere und mein Herz mit großer Trauer füllt."

 

                                                                                                                                                                 

Kultur & Gespenster: Ding Ding Ding
Florian Hadler: Geheimnis
Werner Büttner: Düngeschlacht