Neue Rezensionen und Texte

  

Gewinnt man nicht gelegentlich den Eindruck, als ginge die Erlahmung des abendländischen Denkens zurück auf seine monologisierende Gestalt? Als seien die buchschweren Monologe kaum noch Gaben der Philosophen, sondern ihr Gift?

In Frankfurt am Main hat der Schriftsteller und Übersetzer Alexandru Bulucz entschieden, die Form und Methode des Gesprächs bzw. des Dialogs als Gegengift zum Monolog in Stellung zu bringen. Längst schon ein Gesprächspartner von unter anderem Mircea Cartarescu, Bora Cosic, Ronja von Rönne, Karl Dedecius, Helmut Werres oder Jean-Luc Nancy, gründete Bulucz nun in der Edition Faust eine Reihe, die wichtigen Philosophen die Gelegenheit gibt, ihr Wissen dialogisch zu entfalten.

 

 

Die wenigen Überlebenden des Romans beschäftigen sich nach den erstaunlichen Ereignissen mit bestürzend prosaischen Dingen, z. B. einem Blog, der sich gegen die Missionen der Bundeswehr, gentechnisch veränderte Nahrung und schlechte Stadtverwaltung richtet. Und das ist ein schöner Kontrast für den Abschluss echter Science-Fantasy, man hat irgendwie geträumt, ist selbst durch einen Zauberspiegel gefallen, hatte Flöhe im Kopf, und selbst wenn es anders wäre, empfiehlt es sich – wie man aus der Handlung weiß –, »das Laster eines Verstandes, der mehr verstehen will, als zum Leben nötig ist« im Schach zu halten, und das ist eine religiöse Übung, sie heißt Demut und ist eine komplizierte Sache. (Andernfalls gibt’s, wie schon gesagt, aufs Dach.)

 

 

Gabriel erweist sich als sympathischer, passionierter Besserwisser, der viele Auswüchse des von ihm hartnäckig so genannten Neurozentrismus souverän als populäre Irrtümer entlarvt. Ob dahinter wirklich eine naturalistische Verschwörung lauert, deren Ziel die Verleugnung der Freiheit der gesamten menschlichen Spezies ist, sei dahingestellt. Gabriels Freiheitsbegriff erscheint hier manchmal etwas unbedingt und idealistisch. Dieses Ziel jedenfalls »wäre erreicht«, schreibt der Bonner Philosoph, »wenn man etwa Heinrich von Kleists Amphitryon, Gioachino Rossinis Missa Solemnis, den Hip-Hop der neunziger Jahre oder den Bau des Empire State Buildings als etwas komplexere Varianten des im Tierreich verbreiteten Spieltriebs rekonstruiert hätte.«

 

 

Auch wenn diese Konstellation eine Geschichte in Aussicht stellt, die an Schrecken kaum zu überbieten sein sollte, entspinnt Amis daraus sehr kunstvoll und sprachgewandt eine fast unterhaltsame Liebesgeschichte, in der Lagerintrigen und Kabalen mit den kalten Fakten des Konzentrationslagers und dessen ökonomischer Tötungsmaschinerie zusammen erzählt werden. Hierbei kollidiert der industrielle und auf wirtschaftliche Effizienz hin getrimmte Massenmord mit dem Alltagsleben und privaten Episoden aus dem kaputten Eheleben der Dolls, Tischgesellschaften und Small Talk.

 

                                                                                                                                                                 

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