Neue Rezensionen und Texte

  

 

Wer hätte 1980 gedacht, dass zehn Jahre später, noch vor der offiziellen Beendigung der Sowjetunion, der oberste Sowjet im Sommer 1990 die Marktwirtschaft einführen würde? Oder dass, nach der Tristesse des "real existierenden Sozialismus", in Sachsen und den anderen neuen Bundesländern "blühende Landschaften" entstehen würden? Vieles scheinbar "Tausendjährige" hört dann doch etwas früher auf. Die Geschichte ist also immer für Überraschungen gut und die Proklamation von deren Ende ein Zeichen für Fantasielosigkeit.

 

Vlado Kristl passte nicht in diese Welt, auch die akademische Anerkennung hat ihn nicht weitergebracht, die Münchner haben ihn rausgeschmissen ("Sozialfall"), die Hamburger hatten nach einem Jahr die Nase voll (HfBK). Aber Kristl ist einer, den man wohl nicht enttäuschen konnte. So oder so war er deplaziert. Systemfehler. Deshalb hält sich auch seine Verbitterung in Grenzen. Seine Briefe – gerade die Liebesbriefe – sind manchmal von einem umwerfenden umständlichen Charme, oder einer charmanten Umständlichkeit. Hier hat jemand nur auf sich gesetzt. Gewonnen? Verloren? Unentschieden.

 

Auch Malewitsch war Anarchist. Das schwarze Quadrat, Ironie der Geschichte der Kunst, hält den Wind an, der die schwarze Fahne der Anarchie zum Wehen brachte. Das Neue hängt sich dummerweise an die geprägte Form an, es ist ein Phänomen zweiter Ordnung; die Anarchie ist nicht symbolisierungsfähig. Sie kann sich immer nur selbst hinterherlaufen. Das ist das Komische, aber auch das Tragische bei Erich Mühsam.

 

                                                                                                                                                                 

Volker Renner: Der große Preis
Florian Hadler: Geheimnis
Werner Büttner: Düngeschlacht