Neue Rezensionen und Texte

  

 

In diesem 1992 erschienenen Buch passiert noch weniger als in den anderen Romanen von Sollers, was erstaunlich ist, denn die Hauptperson ist ein Geheimagent. Sollers kann seine Romane – nach dem Ende seines avantgardistischen Abenteuers und der Heimkehr ins Reich der katholischen Kirche – nicht mehr so weit drehen wie zum Beispiel eine Elfriede Jelinek mit ihren Clustern von Redeordnungen. Seit dem Ende der interpunktionslosen Phase taucht bei Sollers wieder ein Held mit einer Weltanschauung auf, und der Held steht – meist mit dem genannten oder ungenannten Guy Debord als Programmierer – gegen die Welt.

 

Es war die große Zeit der Abstraktion in der Bildenden Kunst und der Parabeln in der Literatur, die Wirklichkeit schien weit weg, und doch sagt jede scheinbar abseitige Form (Formlosigkeit) etwas aus über den verdeckten Inhalt. Im französischen absurden Theater sprangen immer wieder Tiere herum, zum Beispiel Ionescos Nashörner, Wolfgang Bauer im österreichischen Graz ließ Schweine verladen (Der Schweinetransport). Man war also zumindest in Ansätzen vorbereitet, als am 14. Februar 1963 zur besten Sendezeit Christian Geisslers Schlachtvieh im 1. Programm des Deutschen Fernsehens als Fernsehspielproduktion des Norddeutschen Rundfunks gebracht wurde.

 

Wer hätte 1980 gedacht, dass zehn Jahre später, noch vor der offiziellen Beendigung der Sowjetunion, der oberste Sowjet im Sommer 1990 die Marktwirtschaft einführen würde? Oder dass, nach der Tristesse des "real existierenden Sozialismus", in Sachsen und den anderen neuen Bundesländern "blühende Landschaften" entstehen würden? Vieles scheinbar "Tausendjährige" hört dann doch etwas früher auf. Die Geschichte ist also immer für Überraschungen gut und die Proklamation von deren Ende ein Zeichen für Fantasielosigkeit.

                                                                                                                                                                 

Kultur & Gespenster: Ghostbusters
Florian Hadler: Geheimnis
Werner Büttner: Düngeschlacht