Kultur & Gespenster Nr. 20 »Unter dem Radar«
RISS Zeitschrift für Psychoanalyse
Annette Weber: Eurythmie der Gewalt

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Neue Rezensionen und Texte

  

 

Daniel Falb ist nicht nur als Lyriker verstörend, als Philosoph, namentlich im aktuellen Merve-Band "Geospekulationen", bleibt LeserInnen nichts erspart. Anders als im lyrischen Feld, das immer auch eine Flucht durch Mehrdeutigkeit ermöglicht, ist hier im Metaphysischen rein gar nichts vorhanden, worin man einen Trost oder Erfreunis oder irgendeine Art Unzwang empfinden könnte: Es ist das zurückgespielte Schwarze Loch.

Vor einiger Zeit habe ich ein analoges Diktiergerät ersteigert. Auf der Suche nach bespielbaren Minikassetten, es gibt kaum mehr welche zu kaufen, fielen mir die alten Kassetten früherer Anrufbeantworter ein. Von denen besaß ich noch mehrere. Sie lagern in einem Karton, teils bespielt, teils leer. Durch Vor- und Zurückspulen suchte ich die leeren Stellen, um neue Aufnahmen machen zu können und gleichzeitig nichts Vorhandenes versehentlich zu überspielen. Ich wusste, dass die Kassetten aus meinem früheren Anrufbeantworter stammten. Dennoch war ich überrascht, plötzlich die Stimme einer Freundin zu hören, die mir nach dem „Piep“ eine Nachricht hinterließ.

 

Am 10. Juli 2014, einem Donnerstag, stirbt in New York City der Konzeptkünstler On Kawara. Er wurde 81 Jahre alt: 29 774 Tage, 714.567 Stunden, 42.874.560 Minuten, 2.572.473.600 Sekunden. New York Times-Autorin Roberta Smith schreibt in einem Nachruf: „On Kawara, Artist Who Found Elegance in Every Day, Dies at 81“. Genau vier Jahre später, am 10. Juli 2018, einem Dienstag, beginne ich in Berlin mit der Niederschrift von „On Kawaras letztes Date Painting“. Bis zum 15. August 2018 nehme ich mir Zeit, den Text, den ich On Kawara widmen möchte, fertigzustellen. 

 

 

Aravenas Studio Elemental ist mit dem Pritzker Prize ausgezeichnet worden und hat jenseits von Investorenbaumasse tatsächlich etwas zu sagen. Im Bereich Soziales Wohnen besitzen die Half a House-Projekte den mit besten Ansatz in Partizipation überhaupt.

 

 

Suse Bauers Arbeiten sind von scheinbar widersprüchlichen Themen und Stilformeln geprägt. Sie wurzeln in der Abstraktion, operieren mit flächigen Arrangements und nüchterner Ornamentik, Bezügen zur Bauhaus-Moderne und literarischem Zitat, haben aber auch den ausgeprägten Hang zu Bricolage und Handarbeit. Und mittendrin tauchen unvermittelt Dinge des alltäglichen Gebrauchs oder Konsums auf – Gemüse zum Beispiel: Rosenkohl, Kartoffel oder Gurke finden, sparsam dosiert, als naturalistisch kolorierte Keramik in ihren installativen Ensembles Platz. Oder nachgeformte Penne-Pasta, die in kleinen Herden über Bauers Keramik-Reliefs mäandert.

 

Die betonlastige, wie ein System aus voneinander abhängigen Entscheidungen und Referenzen sich bildende Architektur, ob Projektstatus oder komplettiert, ist stets ein eigener Kosmos, der sich unabhängig von gängigen Strömungen oder gar notwendig erscheinenden Ausstattungen macht.

 

 

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