Neue Rezensionen und Texte

  

AUFSCHREIBINSTITUTIONEN UND MYTHENBILDUNG

 

Kunst ist hier die illegitime, von den großen Aufschreibinstitutionen vernachlässigte Geschichte. Kunst als Comic bewahrt sich hier ihren Anspruch auf ein umfassendes Wirklichkeitsbild, inklusive privat-kultischer Mystik und Magie. Ohne diesen Anspruch wäre sie nur eine weitere Schreibinstitution. Vielleicht lesen wir all dies, wenn wir lesen, und nicht nur, wenn es hier geschrieben steht, sowieso, also ganz natürlich, mit? 

 

 

 

Dass es heute ein Handbuch zu Ernst Jünger gibt, weist darauf hin, dass die Zeiten der Dämonisierung (in beide Richtungen: von Jünger aus und hin zu Jünger) vorbei sind. Sein Werk hat begonnen, historisch zu werden. Das heißt, dass der Leser, vermutlich ganz unbewusst, das Jünger'sche Werk "stereoskopisch" lesen wird. Man geht darin nicht mehr auf wie früher, man spricht nicht mehr, wie noch Robert Petsch in den 1930er Jahren, von der "einzigartige(n) Kunst der Wortung bei Ernst Jünger". Und so ist der Duktus dieses Handbuchs auch nicht der des "magischen Realismus", sondern natürlich der einer distanzierten Sachlichkeit, die nicht das Wichtige bloß in Aussicht stellt. 

 

Mühsam war kein trockener Theoretiker, der sich auf die Diskussion schwieriger Textpassagen einließ. Er war ein von seinem Glauben Überzeugter, seine Bibel die zu offenbarende Güte des Menschen. Ohne diesen religiösen Aspekt wird man Erich Mühsam nicht gerecht. Von daher erübrigt sich eine rein sachliche Auseinandersetzung mit dem Anarchisten. Das Primat der edlen Gesinnung wird nicht durch einen korrekten logischen Schluss bewiesen. Angesichts der Zeitläufte, in die Mühsam heineingeboren wird, ist diese Setzung natürlich einigermaßen bizarr.

                                                                                                                                                                 

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