Diese Publikation erinnert an eine intelligente Ausstellung. Chronologisch aufgebaut, verführt sie zum Nachdenken über eine „Wohnform in der Sackgasse“, wie es auf Cover- und Schmutztitel (ohne Fragezeichen!) gleich zweimal heißt, und endet mit einem autobiografischen kritischen Bericht des Autors Stefan Hartmann, selbst Einfamilienhausbesitzer, im Heute. Stefan Hartmann berichtet von den psychosozialen Schwierigkeiten, aus dieser Wohnform auszubrechen. Diesem staatlich geförderten und durch Werbung angeheiztem Wohnmythos. Ein Mythos, fest im Getriebe in der allgemeinen Wunschmaschine verankert.

 

Es ist waschechte Literatur, auch wenn Hamacher das vielleicht nie erkannt haben wollte. Damit steht er natürlich nicht allein, sondern in einer langen Linie von Leuten, deren Schreibe sich ihren Gedankenwelten derart widersetzte & eine genuin abgerungene Prosa (oder Protolyrik) schuf.

 

Er steht im Jogginganzug vor dem Haus. Bereit für den Morgenspaziergang. Der Anzug soll ihm einreden, er sei sportlich. Dabei hasst er es. Aber das Laufen gaukelt ihm vor, er könne vor dem Tod davonlaufen. Es redet ihm ein, er habe etwas getan. Also bereitet er einen ersten Schritt vor. Immer in Bewegung bleiben. Nicht stagnieren. Agil bleiben. Der erste Schritt ist noch nicht ausgeführt, da kommen ihm Zweifel.

 


Der Einkaufszettel oder das Post-it sind meistens nur für mich wichtig und werden weggeworfen, wenn das darauf notierte, erledigt ist. In diesem Sinn trifft es zu, dass dabei keine Kommunikation mit anderen vorliegt. Dies betrifft jedoch in erster Linie den Zettel, nicht die Notiz, die ev. in einen anderen Zusammenhang übernommen wurde.

 

 

Louis-Ferdinand Célines Roman Tod auf Raten in der Neuübersetzung ist frisch und zugleich noch immer/für immer schwierig. Ein trauriges, illusionsloses Werk Skatophilie voller seltsamer, doch durchdringender Bilder.

 

Claus Böhmler war ein Durchlauferhitzer im Dauereinsatz. Montag, Dienstag und Mittwoch war Sprechstunde. Dabei ist Stunde untertrieben, er konnte bis zu 8 Stunden am Stück sprechen. Man schickte Wort, Klang und Bild in den Ideen-Boiler, der sie erhitzt wieder abgab. Kaleidoskopisch bewegte er sich über sämtliche Assoziationsplateaus springend.

 

Blavascunas‘ 2020 bei der Indiana University Press erschienenes Buch Foresters. Borders and Bark Beetles nimmt sich vor, Bialowieza – dieses vormenschenalte Stück Natur – als eine Art contested-space-and-time der letzten zweiunddreißig Jahre zu präsentieren. In dieser kurzen Zeitspanne hat eine Förster-Fraktion nach dem Ende des Kommunismus mal paktiert mit und mal agi(ti)ert gegen international anerkannte und gesponserte Wissenschaftler*innen; dazwischen standen, ebenfalls sehr volatil, die walderhaltungsgetriebenen conservationists.

 

In Der Große Pan geht es um Wahrnehmung. Lesende tappen bis zum Schluss im Dunkeln, werden von Blitzlichtern wie Laternen ins Bild gesetzt, dann blendet die Geschichte brüsk ab, oder wird neugestartet mittels eines gefundenen Briefs Jahre danach. Die wahrnehmungsüberempfindlichen Herren laufen durch feuchte Straßen, geben sich ihren Gedanken hin, träumen von neuen Erfahrungen, sind randvoll mit jugendstilartig verrankten Erinnerungen an Waldwiesenbesuche oder ehemalige Freunde, die mysteriös aus ihrem Leben verschwunden oder vom Weg abgekommen sind.

 

Das Buch zeichnet das Bild eines Architekten, dessen Gebäude entweder expressionistisch ausfallen können, dabei ein Nebeneinander aus postklassizistischen Elementen anbieten oder aber ziemlich rationalistisch geraten, wie bei den öffentlichen Gebäuden, Büros etc. Dieses scheinbar Gleichberechtigte von eigentlich schwer zu vereinenden Strömungen wirkt unideologisch und frei fließend. Die Friedhöfe von Malmö und Stockholm unterlegen dies – es geht hier um mehr als Stil.