Marty Surpeme

Am Ende steht der Anfang. Ein Baby. Ein neues Leben. Ein Spermium, das den Wettkampf gewonnen hat. Das Rennen Richtung Eizelle. So wie Marty die Erzählzeit von neun Monaten in Bewegung blieb. Das Hemd vom Wind gebauscht. Einer, der auf der Flucht ist. Nach vorne. Hin zum Ziel, dem Gewinn der Weltmeisterschaft im Tischtennis. Um es zu erreichen, muss er hoch, runter, seitlich ausbrechen, er muss sich ducken. Ein Sportler des Lebens selbst muss er sein. Seiner Träume.
Marty Mauser liebt und agiert, einer, der scheinbar nie schläft, nie essen muss, und wenn doch, dann die teuersten Gerichte auf der Karte. Nahrungsaufnahme wird zum Zeichen. Zu zwei gehobenen Siegerarmen, die verkünden: Sehet her, ich habe es geschafft.
Eine Reise ist es. Auch in die Welt der Erwachsenen. Marty, der am Ende tränenreich als Vater sein Kind in der Welt begrüßt, ist ein Gewinner. Es ist eine Coming-of-Age-Geschichte. Ein Film, der so frech wie sein Held agiert, mit einem Soundtrack, der uns unkonventionell Songs um die Ohren haut, wo wir sie nicht erwartet hätten, einfach weil er sein Hemd aufreißt und mit uns davonspurtet. Die Kamera stets in der Bewegung, die die Bilder von ihr verlangen. Als würde sie der Geschichte gehorchen. Hoch, runter, seitlich ausbrechen, es ist der Rhythmus, der alles beherrscht. Die Bilder gieren nach immer neuen Wegen. So ist das Leben. Es bietet Überraschungen, Abweichungen, führt uns zu Hunden, zu Feldwegen, zu abgelegen Häusern, auch mal mit einem Mobster. „Marty Supreme“ ist eine Tour de Force. Wir begleiten, nahezu atemlos, einen Timothée Chalamet, der liebt und flieht, der der Verantwortung aus dem Weg geht, der sie annimmt, der seinen Traum nicht aufgibt, vielleicht, weil er sich unentwegt darin bewegt.
9 von 10 Tennisbällen.
Guido Rohm
Marty Supreme, 2026, Regie: Josh Safdie