2. Februar 2026

Mastermind

 
Josh O’Connor will der meisterhafte Drahtzieher eines Verbrechens werden, obwohl er nicht mal zum Drahtzieher seines Schicksals taugt, das ihn an den Haaren zum Ende dieses Film zerrt, an dem er von Polizisten in die weithin offene Landschaft der Zukunft getragen wird; vielleicht liegt im nicht erzählten Bereich, in der vom Film nicht ausgeleuchteten Landschaft ein Leben, das ihm glückt.

Leise ist dieser Film, lauwarm, ein langes träges Rinnsal, dem wir verträumt folgen. Die Farben sind ausgeblasst, als wäre das Filmmaterial einmal zu oft gewaschen worden.

Sehnsucht glimmt in Josh O’Connors Augen, der als JB Mooney einen Coup ausgeknobelt hat, einen Raub in einem örtlichen Museum, der ihn aus seiner Unmündigkeit führen soll, ihn, der von seiner Mutter finanziell abhängig ist, die ihm Geld unter der Hand leiht, von dem der Vater, ein Richter, nichts wissen darf. Vielleicht, um sich abzunabeln, um der Eintönigkeit der Kleinstadt zu entkommen, aber auch um seine Familie zu versorgen, um mehr aus seinem Leben gemacht zu haben, ersinnt er einen Plan, der so instabil gebaut ist, dass er als windschiefes Kartenhaus einstürzen muss. Und eventuell ist es der Sturz, der ihn befreit, weil die Brüche, die nun an seiner Seite Platz nehmen, sein Dasein derart bestimmen, dass er von diesem plötzlichen Meteoreinschlag des Tatsächlichen schier vom Hier und Jetzt ins Hin und Weg geschleudert wird. Plötzlich ist er auf der Flucht, ist er in seinem eigenen Roadmovie unterwegs Richtung Meer des Unbekannten, er, der im Hamsterrad gefangen war, bekommt durch das Misslingen die Chance, endlich aufzuatmen, endlich zu leben, sich dem Unerwarteten zu öffnen.

Kelly Reichardt hat einen Film Noir erschaffen, einen Anti-Heist-Film, in dem das Verbrechen zum Befreiungsakt wird, nicht bewusst, sondern erschaffen durch einen Menschen, dem die Dinge entgleiten, dem dieses Unhaltbare der Zustände aber zum Sieg über die Eintönigkeit verhilft, indem er sich im Fluss des Lebens treiben lässt, Wasser schluckend, mit der Gewissheit, endlich seinen Durst zu stillen. Vielleicht. Denn der Film ist so offen wie sein Ende. Er ist Drama, Komödie, Krimi, Noir, Roadmovie, Heist-Film. Aber vor allem ist er ein wehmütiges Kunstwerk, eines, das einen mit glänzenden Augen zurücklässt, mit offenem Mund und mit Fragen. So, wie vielleicht ein Leben endet. Vor sich die Dunkelheit des Ungewissen. Und mit Fragen, die keine Antworten finden.      

Guido Rohm


„The Mastermind“. Regie: Kelly Reichardt. Mit Josh O’Connor, Alana Haim u. a. USA 2025, 110 Min.