5. November 2025

Während der Audofahrt


Einen monumentalen Roman-Essay legt Peter Waterhouse mit Z Ypsilon X vor, im Spätsommer bei Matthes & Seitz Berlin 2025 herausgekommen. Was kann dieses Buch? „Ex Why Zed“, in Ankündigungen, Auslegungen, Besprechung, Klappentexten wird es mit Absichten belegt, wie beispielsweise sinngemäß misslungenen Stimmen im Dichten, die aus anderen Gattungen bekannt ihr Heil sprichwörtlich in anderen politischeren Denk-, Handlungsarten suchten, leider fanden / finden, etwas entgegenzusetzen, beziehungsweise handeln zu lassen, aber eher lesen zu lassen. Das Lesen zum Thema machen, mit einem Gramm Salz mitzuverfolgen, wie damalige Lektüren, eher Fehllektüren vermutlich dazu geführt haben, das ein & mehrere Familienmitglieder zu bsp. schreibenden Parteiorganen wurden (der NSDAP), anstatt selber befriedigende bis gute freie Dichtung zu betreiben, indem jene ihre Lektüren, von Dickens bis Tolstoj & Karl Kraus etc., einer dichterisch lesenden Auslegung in Z Ypsilon X unterzogen werden, anstatt sie also folgenschwer zu missdeuten, fehlzureproduzieren in (fremdfurcht-)eigener Dichtersprache, die sie in anderer Dichtersprache, Waterhouse-Sprache hier aber nun im Reich der Kunst belässt, sie mit Zwischenraum, das Mehrdeutige, das Auszuhaltende, sogar das Schweigen oder noch anderes benennt – „waren die Worte die einzige Waffe, die sagen konnte, sie wär keine?“
Die Stimme in Z Ypsilon X, die dieses Unterfangen betreibt, liest auch in anderen Biografien, Erzählungen, Gegenwarten, z.B. Rosmarie Waldrop, baut ein Gegengewicht auf – nutzt selber eine feine, analytische Sprache, die extravagant, mutig häufig selbst ins Dichtungsterrain aufbricht, von einem „Ich, sich“ spricht, beinahe die Hälfte aller Sätze mit Fragezeichen beendet, eine Stimme, der synchron im Sinnieren zugelesen werden kann, im Lesen von Z Ypsilon X. Das Buch, die Bücher sind vielschichtig, scheinbar zufällig zusammengeschnitten, komponiert. Fotografien, Typografie-Artefakte, kurze oder lange Meditationen über Karel Gott, Tom Jones, Kohlsprache („fast war mir entfallen, dass ein Buch so heißen konnde“), Namen allgemein, Personen („Isita Nickname“) begleiten eingefangene Zeit. Waterhouse hat über zehn Jahre an dem Werk geschrieben. Obwohl es klar wirkt, besitzt es Dumpfheit, obwohl es für das Freundliche eintritt, besitzt es Belehrungscharakter, obwohl es romanesk erzählt, besitzt es Essay-Werte, obwohl es selbst geschrieben ist, besteht es aus Wort-für-Wort-Wiedergaben bestehender Stimmen, obwohl es abstrakt in höchstem Sinne ist, sich nämlich auf die Wahrheit in Fiktion beruft, besitzt es gegenwartsbezogenen antifaschistischen Anspruch, obwohl usw. Z Ypsilon X ist ein Werk, das bescheiden bedeuten will, das sich seinen eigenen Charakter errichtet. Die Zeit wird zeigen, was daran das Eigentliche ist. Eine Leseempfehlung auszusprechen, fällt schwer, exakt wie auch nur das kleinste Komma aus dieser Monumentalkomposition von Sprachkunst nicht anzuerkennen.

Jonis Hartmann

 

Peter Waterhouse: Z Ypsilon X, Matthes & Seitz Berlin 2025