Künstler / Autor


Thomas Baldischwyler war während seines Studiums an der Hochschule für bildende Künste Hamburg vor allem als Musiker und DJ, aber auch als Mitbetreiber des Hamburger Ausstellungsraums Hinterconti aktiv. Nach seinem Diplom 2004 konzentrierte er sich vermehrt auf die Arbeit an raumgreifenden Installationen und auf die Modifizierung klassischer Bildformate. Trotzdem blieb seine künstlerische Praxis auf viele Bereiche verteilt und durch seine aus dem Fandom gewachsene musikalische Produktion hatte er immer wieder eine starke Anbindung an Clubs und Konzertveranstalter. Die aktuell bei Textem erschienene Sammlung "H.U.P.U. / Ephemera" ermöglicht einen selektiven Überblick der Handzettel und Plakate, die Baldischwyler für das Hinterconti, den Golden Pudel Club und andere Off-Spaces und Musikclubs ab 1999 angefertigt hat. Die erste Prämisse der Arbeiten war immer wieder die "Kopierbarkeit". Das Vorwort für diese "Pre-Facebook"-Zeitkapsel stammt von Hans-Christian Dany. "H.U.P.U. / Ephemera" ist Baldischwylers dritte Publikation bei Textem.

Inhalt

 

Das schwarze Loch

 

Weltraumwissenschaftler DC Schuhe, ein Ekstatiker ohne Skrupel, kommt nach einem technischen Irrtum in den Besitz des geheimen Türcodes zu der Forschungsstation Hinterconti. Am selben Abend muss auf der Ebene um die Ecke Diana von Chemnitz mit ihrer Crew nach einem Defekt ihres Raumgleiters notlanden. Die Schiffbrüchigen sind paralysiert von dem, was sich in der unvertrauten Landschaft ereignet. Bevor sie die Dynamik in ihrer ganzen Komplexität erfassen, versucht der durchtriebene Schuhe sie mit einer Schnitzeljagd in den alles verschlingenden Strudel eines von ihm selbstgebauten schwarzen Lochs zu locken. Die Konstruktion verkörpert das Versprechen einer Sphäre, in der es möglich scheint, in der Welt zu sein, ohne von der Welt zu sein. Seine verschlüsselten Nachrichten auf kleinen Papierstücken, die dort hinlocken sollen, sehen für die Mehrheit der Passanten nach gar nichts aus. Ihre Hinweise, sich in bestimmte Richtungen zu bewegen, versinken im Rauschen einer von Querverweisen gebrochenen Syntax. Die Falschen sollen den gestreuten Spuren nicht folgen. Ihre Anwesenheit würde die Atmosphäre im schwarzen Loch nur stören. Deshalb müssen die Schnitzel, die Falschen in desinteressierter Unkenntnis halten, um zu schützen, was als schiefe Ebene dazu dienen soll, dem Überleben zu entgleiten, um im Leben zu landen. Für die Richtigen wiederum, soll die Flaschenpost ohne Flasche auf dem Trocknen genau dieses Versprechen bergen. Nun sind die Richtigen, die rausrutschen wollen, nur bedingt bekannt. Ihnen kann man keine Postkarte schicken. Das wäre zu persönlich, da das schwarze Loch eine gewisse Unverbindlichkeit erfordert. Auch kennt der Absender meist gar nicht deren Adressen, weiß oft nicht einmal, wie sie heißen. Von den Empfängern, die er auf eine Art gar nicht kennt, muss er aber wissen, was sie erkennen werden. Was verbindet, ist eine vage und zugleich überscharfe Schnittmenge geteilter Begierden. Die fliegenden Benachrichtigungen tänzeln durch diesen Nebel zwischen Ausschluss und Verführung. Sie tun dies, in dem sie ihre Botschaften verschlüsseln. Dafür nutzen sie nicht selten vertraute, zumindest halbvertraute Zeichen, die in ihrem Ursprung ausgehöhlt werden, deren Umstellungen und Auflassungen aber dazu führen, dass manche eine Ahnung bekommen. Sie stellen die, welche sie auflesen und ihnen folgen, vor die Aufgabe eine unbekannte Ebene zu betreten. Sie markieren einen Unterschied, betreten das Moment des Weiter und weisen es als lächerlich zurück. Nachdem erste Versuchsanordnungen gelingen werden immer mehr Weltraumlabore einbezogen. Die Fluchtlinien weiteten sich aus. Das Loch dehnt sich in immer größere Wirklichkeiten, bis alles darin verschwindet.

 

Hans-Christian Dany

 

Buch

 

Thomas Baldischwyler: H.U.P.U. / Ephemera

72 Seiten

 

Auflage: 300 Exemplare

 

Gestempelt und handschriftlich nummeriert.

Preis: 15 € 

ISBN: 978-3-86485-045-5

 

 

Bestellen unter: versand(at)textem.de

 

Textem Verlag

Gustav Mechlenburg, Gefionstraße 16, 

D-22769 Hamburg

Telefon (+49) 0-1705810536 

E-Mail: post@textem.de

 

Textem-Kulturmagazin www.textem.de

Pressestimmen: Textem in den Medien

 

Auslieferung für Buchhändler: 

SOVA, Fax: (06181) 9088