Autor*innen

Carolin Bebek, Frank Beiler, Lukas Bugiel, Malte Ebner v. Eschenbach, Katarina Froebus, Jan Tobias Fuhrmann, Christoph Haker, Selma Haupt, Stefanie Hoffmann, Martin Karcher, Tanja Kauffmann, Nele Kuhlmann, Il-Tschung Lim, Julia Lipkina, Lotta Mayer, Lukas Otterspeer, Severin Sales Rödel, Stella Rüger, Mareike Tillack, Johannes Türstig, Benjamin Weber, Lars Wicke, Kai Wortmann

Inhalt

Die Arbeit mit und an Theorie verändert uns: Wir beginnen die Welt und uns selbst in einem anderen Licht zu sehen, womöglich erkennen wir weder das eine noch das andere wieder. Wenn wir uns z.B. intensiv mit der Frage des Scheiterns, der Verantwortung oder der Technik auseinandersetzen, verändert das Nachdenken über diese Begriffe auch unseren praktischen Alltag, lässt uns anders wahrnehmen und anders über unsere Beziehungen zu anderen denken.

Denn Theoretisieren und der Umgang mit Theorie ist entgegen anti-intellektualistischer Vorurteile nicht einseitig: Nicht nur der/die Wissenschaftler*in beschreibt und verändert durch Theorie die Welt – und bringt sie damit hervor –, auch die Welt und die konstante wissenschaftliche Beobachtung verändert den/die Beobachter*in. Das Verhältnis von Theorie und Leben gestaltet sich als Wechselspiel, als spannungsreiche Beziehung zwischen (wissenschaftlichem) Wissen und der intensiven Auseinandersetzung mit Theorie einerseits und andererseits dem Subjekt, das sich dieser Sache widmet. Dabei wird die Theorie durch das Leben herausgefordert. Es stellt eine Provokation für Theorien dar, bringt neue Dynamiken ein und bietet immer wieder Anlass für Neues und zwingt zur Prüfung der Gültigkeit von Theorien für das Leben. Eben dieses Wechselspiel ist es, das uns verändert: Theorie und Theoretisieren transformieren Selbst-, Welt- und Anderenverhältnisse, verwandeln Individuen in Subjekte, (re-)strukturieren strukturierende Strukturen unseres Denkens und Handelns.

Deshalb wollen wir mit diesem Band Theorie als Lebendige Theorie denken. Theorie, die insofern lebendig ist oder wird, als ihre Träger*innen ‚lebendig‘ sind, d. h. in je konkreten Lebenszusammenhängen situiert sind, die sich im Theoretisieren dann als subjektive Zutat niederschlagen. So wird jeder Prozess des Theoretisierens und der Theoriebildung zumindest in Teilen für das theoretisierende Subjekt zu Lebendiger Theorie. Damit stehen in einer Lebendigen Theorie nicht nur die Erfahrungen und Emotionen der Träger*innen von Theorie im Mittelpunkt, sondern diese selbst, in ihrer leiblichen Verortung in einer materiellen (Um-)Welt.

In Ihrer Lebendigkeit transformiert die Theorie und das Theoretisieren diejenigen, die Theorie betreiben, sei es im Modus der Verzauberung und emanzipatorischen Erhebung, der Bildung, der Subjektivierung, Disziplinierung, Sozialisation oder sogar der Verstörung oder Zurichtung.

Der Sammelband vereint Beiträge aus Erziehungswissenschaft, Philosophie, Soziologie und Kunstwissenschaften, die alle Theorie, Theoriebildung und Theoretisieren bereits als lebendige Momente voraussetzen und die diesen Spuren der Lebendigkeit in der Theorie (und umgekehrt: den Spuren der Theorie im Leben) nachgehen. Sie zeigen Möglichkeiten des (empirischen) Aufspürens und der (reflexiven) Analyse Lebendiger Theorie auf und nähern sich dem hier skizzierten Verhältnis von Leben und Theorie aus ethnografischer, wissenschaftstheoretischer und/oder essayistisch-literarischer Perspektive an.

Buch

Lebendige Theorie

Hg. Martin Karcher / Severin Sales Rödel

344 Seiten

ISBN 978-3-86485-256-5

20,- €

Gestaltung: Hanzer Liccini

Textem Verlag 2021

 

Leseprobe

 

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