Textem veröffentlicht zurzeit täglich Notizen und Korrespondenzen aus aller Welt

13. 5. 2021

Ich soll hier eine sogenannte «Ordnungstherapie» machen. Ich habe stattdessen erstmal das Zimmer umgeräumt und Platz vor dem Fenster gemacht.

 

Lesen im Blog

Michael Hopp: Mann auf der Couch (Roman)
Jörg Heiser: Freiheit ist kein Bild
Susanne Lorenz (Hg.): grund – Übung, Haltung / Exercise, Approach

Neue Rezensionen und Texte

  

 

Oder? ist ein kompromisslos experimentelles, super-selbstreferentielles & völlig unkommerzielles Romanding, das die Währung gleichen Namens auszuhöhlen auszieht.

 

„Gefährten des Todes“ ist ein Roadmovie, eine Antiheldenreise, eine Läuterungstour, ein Passionsweg. Der Regisseur Sam Peckinpah war Zeit seines Lebens ein Getriebener, ein Outlaw, einer, der ähnlich der Hauptfiguren seiner Filme, einer Zeit zu entstammen schien, die von der Moderne überrollt und zermalmt wurde, eine Tatsache, die Peckinpah filmisch auffing, indem er in seinen Filmen Trauergesänge auf einen „Wilden Westen“ anstimmte, der ihm als gelobtes Land erschien.

 

Von Hoppe, der Literaturkünstlerin, zu Wussow, der Kunstermöglicherin, schlagen kluge Funken. Manchmal fliegen sie auch ein bisschen, was an Hoppes sympathisch selbstgewisser Führung des Gesprächs liegt, das auf Sylt stattgefunden hat. Den üblichen Erwartungshaltungen an Reisen und ihre Transformation in Sprache erteilen beide Absagen.

 

Detailliert, bedacht, behutsam hat Vera Bischitzky diesen Klassiker der deprimierenden Weltliteratur neu übersetzt (Hanser Verlag), der in seinem Figurenansatz durchaus tragikomische Züge trägt, in manchen Dialogen fast zum Screwball oder einem Billy Wilder driften könnte.

 

Das einfache, jahrtausendealte Senkblei steht hier für eine allgemeinere Methode. Eine Methode des Gesprächs, in der sich Kluge und Vogl an der Oberfläche treffen, sich an Zu- und Unfällen der Welt abarbeiten, den Boden vermessen und die Bleigewichte schließlich in unbekannte Tiefe hinablassen.

TEXTEM VERLAG   Literatur   Kunst/Theorie   Stimmungs-Atlas   Kultur & Gespenster                                       RISS - Zeitschrift für Psychoanalyse