8. Dezember 2025

Unzerstörbar

 
So wie Frankensteins Monster nicht totzukriegen ist, ergeht es auch dem Mythos selbst, der literarischen Schöpfung, die es sich längst auch schon auf der Leinwand gemütlich gemacht hat, wo sie als popkulturelles Phänomen von Generation zu Generation weitergereicht wird, um so schließlich in einer neuen Version abermals auf unserem Teller zu landen. Dieses Mal als ein Menü aus dem Hause Guillermo del Toros, der daraus eine wunderbar künstliche Version zaubert, was bei einem künstlichen Wesen nur angemessen scheint.
Die Geschichte wiederzukäuen, scheint müßig, allzu bekannt ist sie. Die Schauspieler sind gut ausgesucht, allen voran Oscar Isaac als Victor Frankenstein und Mia Goth als Lady Elisabeth Harlander. Wer einmal mehr nicht gefällt, ist Christoph Waltz, der mehr und mehr zu einer Karikatur gerät, als würde er mit seinem süffisanten Tonfall wieder und wieder dieselbe Rolle feilbieten; dieses Mal ist es gar mehr eben dieser Tonfall denn sein Spiel selbst, der missfällt.
Sonst aber überzeugt de Toros Frankenstein, diese Erzählung über das, was uns zu Menschen macht, über das, was den Tod so segensreich macht, über das, was ein Wesen erst zum Monster macht.
Film ist auch immer ein Gemälde. Und hier mehr denn je, wo rote Schleier wehen, als wären sie Blutbahnen. Dreck ist in diesem Film kein Dreck, wo man Schlamm erblickt, verspürt man die Bildbearbeitung, die aber nie stört, nicht bei diesem Thema, nämlich dem einer künstlichen Schöpfung. Und man ist schon versucht, das Monster mit einer neuen Technologie wie der KI gleichzusetzen, auch hier der Versuch, Gott bzw. der Schöpfung ihre tiefsten Urgründe abzutrotzen. Der Versuch, den Menschen selbst zu überwinden, so wie Frankenstein den Tod besiegen möchte; einzig, um sein Scheitern zu begreifen.
Liebe und Mitleid mit der gemarterten Kreatur stehen im Mittelpunkt, ein Mitfühlen mit dem gepeinigten Wesen sowie auch das Verzeihen.
Guillermo del Toro ist eine berührende Version gelungen, die einen anpackt, die einen mit sich nimmt, die einen an die Seite des Monsters stellt, von wo aus man einer schier endlosen Schneewüste entgegenblickt, an deren Ende die Sonne in betörender Schönheit untergeht.
4 von 5 Monstern.

Guido Rohm

Guillermo del Toro (Regie): Frankenstein, USA 2025