Vom Wind zermahlen

„Der Mann aus dem Westen“, ein Western von Anthony Mann mit Gary Cooper, einem Cooper, der so groß wie ein Leuchtturm ist, vielleicht, damit man nicht an den scharfkantigen Klippen des Films Schiffbruch erleidet, eines Films, der so dunkel ist, dass man manchmal nicht mehr das eigene Gewissen vor Augen sieht. Cooper spielt einen ehemaligen Banditen, der auf der Flucht vor seiner Vergangenheit ausgerechnet dieser in die Arme läuft. Nicht zu entkommen, darum geht es, darum, dass man gefangen ist in einem Netz, das die Zeit überdauert, gefangen auch in der Gewalt, die bei dem Kampf zwischen Cooper und einem der Gangster in Coopers Augen aufglimmt, tatsächlich nur aufglimmt, sodass man ihn für dieses Spiel bewundern muss, diesen Moment, in dem ein Feuer aus Hass hinter all der Gleichmütigkeit, die er zur Schau stellt, entzündet wird, um für Sekunden alles zu verbrennen, was er so mühsam in sich errichtet hat, all den zivilisatorischen Raum, der ausgestattet ist mit Geld, um eine Lehrerin für den Ort, an dem er inzwischen lebt, zu finden; einer also, der nun für Bildung wirbt statt für den Tod, dem er nun aber wieder an den Hals geworfen wurde. Nach einem fast heiteren Einstieg verliert sich alles an einen Ort, der das Zentrum der Zerstörung zu sein scheint, ein Zentrum, dem man nicht zueilen muss, weil es längst schon in uns lauert. Alles läuft auf einen Banküberfall in einer Stadt zu, die keine mehr ist, die längst zu einem Ort der Geister wurde, zu einer vom Wind zermahlenen Erinnerung an einen Westen, der sich noch einmal in der Figur des väterlichen Bandenbosses aufbäumt, wissend, dass der Ziehsohn Cooper gekommen ist, um zu vertilgen, was der Zahn der Zeit bereits angebissen hat. Es ist ein sehr kompromissloser und harter Western, der aber so viel Tiefe bietet, dass man Angst haben muss, abzustürzen, hineingesogen von einer Kraft, die älter als alle Lehrerinnen des Universums ist.
Zehn von zehn Kugeln.
Guido Rohm
Der Mann aus dem Westen, Film 1958, Regie: Anthony Mann