Künstlerin

Gesa Lange wurde 1972 in Tongeren/Belgien geboren. Ihren Master of fine arts absolvierte sie an der HFBK Hamburg. Sie lebt und arbeitet in Hamburg und ist Professoren für Zeichnen an der HAW Hamburg.

 

 

Inhalt

Der gesamte Inhalt des Buches Im Halbkreis neben der Lampe besteht aus per Hand von Gesa Lange gestickten Zeichnungen in Originalgröße. Das Buch enthält außer dem Titel am Rücken keinerlei Schrift oder Bezeichnung. Den begleitenden Text hat Mela Dávila Freire verfasst. Die Originalversion in Englisch als auch die deutsche Übersetzung liegt in einem 16-seitigen Textheft bei.

 

Auszug aus dem Text zum Buch:

 

Zeichnung und Leinwand sind die Technik und die Arbeitsfläche, die Lange schon seit einiger Zeit in ihrer künstlerischen Praxis einsetzt, in der die Erforschung des Raumes ein wiederkehrendes Thema ist. Davon zeugt ihre Hinwendung zum Format des Künstlerbuchs, und zwar nicht als bloßes Vehikel für ihre Zeichnungen, sondern als alternativer Raum, in dem sie damit fortfahren kann, neue Facetten ihres Werkes zu entfalten. Im Halbkreis neben der Lampe folgt der Linie dieser und anderer früherer Arbeiten der Künstlerin, geht aber noch einen Schritt weiter und integriert neue Elemente, die die semantische Tiefe ihres Werkes bereichern.

 

Die Stickerei bietet Lange wichtige zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten. Wie sie selbst betont, handelt es sich um eine Zeichenmethode, die keine Korrekturen, Ausradierungen oder Änderungen zulässt: Sobald die Leinwand mit der Nadel durchstochen wurde, ist es nicht mehr möglich, das entstandene Loch zu ignorieren. Es kann nicht rückgängig gemacht werden, da der grundierten Leinwand die Flexibilität anderer Gewebe fehlt und sie nicht in ihre ursprüngliche Struktur zurückkehrt. Darüber hinaus, fährt Lange fort, ermögliche ihr das Sticken, mit dem Raum zu arbeiten, ohne dreidimensionale Formen konstruieren zu müssen: Mit jedem neuen Stich, den sie setze, „umschlössen“ die Striche und Linien die Leinwand immer mehr, die gewissermaßen „in das Innere“ der entstehenden Zeichnung wandert, von ihr absorbiert wird, und ihre traditionelle Rolle als bloßer Träger des Werkes verliert, um stattdessen zum integralen Bestandteil desselben und so zu einer aktiven Komponente seiner Bedeutungskonstellation zu werden. Auf diese Weise hebt die Stickerei die traditionellen Kategorien von Vorderseite und Rückseite auf und verschiebt sie genau in die Richtung, in die Lange sie lenken möchte. Im Halbkreis neben der Lampe ist als komplexe Konstruktion konzipiert, die den Betrachter einlädt, über die Begriffe des Sichtbaren und des Unsichtbaren zu reflektieren. Der Titel verdeutlicht diese Absicht. Wenn man im Dunkeln eine Lampe einschaltet, erscheint plötzlich eine Landschaft, die an der Grenze des von der Lampe erzeugten Lichthalbkreises abrupt endet. In dieser halbkreisförmigen Landschaft werden Dinge sichtbar, die bis zu diesem Zeitpunkt im Schatten gelegen hatten. In vergleichbarer Weise bemüht sich Lange das zu beleuchten, hervorzuheben oder sichtbar zu machen, was im Dunkeln verborgen war oder selbst im beleuchteten Zustand so leicht ist, dass es von unserem Bewusstsein ignoriert wird, obwohl unser Blick in der Lage wäre, es zu erfassen.

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Mela Dávila Freire

Buch

 

40 Seiten Innenteil, 16 Seiten Textheft

44 Abbildungen

978-3-86485-213-8

18 Euro

Textem Verlag 2018

Offsetdruck auf Munken-Papier

350 Stück, nummeriert und signiert