Rasha Habbals Lyrik in Die letzte Frau ist stechend. Ihre titellosen Gedichte – oder ist es ein einziges Gedicht? – kommen sofort auf den Punkt, sie halten sich mit nichts auf. Die Intimität ihrer Szenen ist zwar mit abgebildet, angelegt, doch scheint sie fast durchgehend löchrig eingefasst.

 

Beide sind großartige Buchkünstler: Anna Haifisch und Max Baltinger. Meisterhafte Erfinder im Umgang mit Fläche, Raum, Linie, Farbe, Schrift, zerlegten Bewegungsabläufen und szenischen Darstellungen. Alles, was ein Comic zu bieten hat, von computerbearbeiteten Aquarellen über aggressive Farbfeldreize bis hin zur Oberflächenhaptik als Bucherlebnis: leinengebundener Prägedruck und aufgeklebte Einlegebildern. Diese Bücher sind Leseerlebnisse für jene, die auch mit den Fingern lesen.

 

Kann man theoretisch einen Roman schreiben? Gewiss. Auch praktisch einen theoretischen Roman? Giwi Margwelaschwili kann. Der Leselebenstintensee ist ein solches Werk. Es ist derart schrill abstrakt, gleichzeitig so vergnüglich hanebüchern, dass man den Hut ziehen darf.

 

„Was für Eigenschaften halten Sie bei einem Menschen für wesentlich?“
Die Personalbereichsleiterin ist Mitte vierzig, sportlich-elegant gekleidet und attraktiv. Sympathisch ist sie mir nicht; mir sind Leute, die beim Fernsehen arbeiten, grundsätzlich nicht sympathisch, ich halte sie für eitel und aufgeblasen. Wieso ich mich beworben habe? Aus Eitelkeit. Das sage ich natürlich nicht. 
„Verlässlichkeit“, sage ich. „Und Aufrichtigkeit.“

 

Diese Sichtung ist ein Grund- und Meilenstein, und die Kritik aus der Gegenwart schreit förmlich danach, ergänzt zu werden durch eine ausführliche(re) Didaktik des deutschen Kolonialismus.

 

Diese Publikation erinnert an eine intelligente Ausstellung. Chronologisch aufgebaut, verführt sie zum Nachdenken über eine „Wohnform in der Sackgasse“, wie es auf Cover- und Schmutztitel (ohne Fragezeichen!) gleich zweimal heißt, und endet mit einem autobiografischen kritischen Bericht des Autors Stefan Hartmann, selbst Einfamilienhausbesitzer, im Heute. Stefan Hartmann berichtet von den psychosozialen Schwierigkeiten, aus dieser Wohnform auszubrechen. Diesem staatlich geförderten und durch Werbung angeheizten Wohnmythos. Ein Mythos, fest im Getriebe der allgemeinen Wunschmaschine verankert.

 

Es ist waschechte Literatur, auch wenn Hamacher das vielleicht nie erkannt haben wollte. Damit steht er natürlich nicht allein, sondern in einer langen Linie von Leuten, deren Schreibe sich ihren Gedankenwelten derart widersetzte & eine genuin abgerungene Prosa (oder Protolyrik) schuf.

 

Er steht im Jogginganzug vor dem Haus. Bereit für den Morgenspaziergang. Der Anzug soll ihm einreden, er sei sportlich. Dabei hasst er es. Aber das Laufen gaukelt ihm vor, er könne vor dem Tod davonlaufen. Es redet ihm ein, er habe etwas getan. Also bereitet er einen ersten Schritt vor. Immer in Bewegung bleiben. Nicht stagnieren. Agil bleiben. Der erste Schritt ist noch nicht ausgeführt, da kommen ihm Zweifel.

 


Der Einkaufszettel oder das Post-it sind meistens nur für mich wichtig und werden weggeworfen, wenn das darauf notierte, erledigt ist. In diesem Sinn trifft es zu, dass dabei keine Kommunikation mit anderen vorliegt. Dies betrifft jedoch in erster Linie den Zettel, nicht die Notiz, die ev. in einen anderen Zusammenhang übernommen wurde.