Künstler

 

Volker Renner, geboren 1977, lebt und arbeitet in Hamburg. Nach einem Studium der angewandten Kulturwissenschaften in Lüneburg beginnt er 2002 ein Studium der visuellen Kommunikation an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Nach seinem Abschluss mit Auszeichnung 2007 ist er zwei Jahre Meisterschüler bei Peter Piller an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seitdem ist er in Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Die Serie „Wie war Las Vegas“ wurde 2012 in der Galerie Morat, Hamburg, gezeigt. Zu der Serie ist 2011 ein Künstlerbuch  im Salon-Verlag erschienen. Acht weitere Künstlerbücher u. a. „eben war noch“ (2011) und „A Road Trip Redone“ (2012) sind im Hamburger Textem Verlag herausgegeben worden.

 

Inhalt

 

Wäre mit dem Titel nicht die Floskel gemeint, mit der sich Leute begrüßen, welche sich lange nicht sahen, könnte man den Titel long time no sea wörtlich nehmen, denn wenn man Amerika mit einem Pkw durchfährt, von der Atlantik- bis zur Pazifikküste, sieht man tatsächlich lange Zeit nicht die See. Zu sehen sind also Motive aus dem Inneren der USA, Gegenden, die z. B. als Bible-Belt oder Rust-Belt in den Medien herumgeistern und für hemmungslosen Konservatismus und zerstörte Infrastruktur also verflossenen Fordismus stehen.

Volker Renner versammelt in diesem 220 Seiten starken Band Aufnahmen aus Innen- und Außenräumen, die das Interesse für pointierte Close-ups eint. So etwa die Bibel, die auf dem Putzwagen eines Hotels liegt und deren Schnitt mit den Worten »PRAISE „BOB“ ATHEISTS MAKE BETTER LOVERS« verziert ist (vermutlich wird sie deswegen gerade aus dem Verkehr gezogen). So geht es die ganze Zeit um handwerklich fragwürdige Reparaturen, Frostschäden im Fußboden, Wasser- oder Brandflecken, in Autotüren eingeklemmte Grasbüschel, also nicht zuletzt um Designmeditationen, denn wie um alles in der Welt soll man Hotelüberdecken jemals mit dem dazugehörenden Teppichboden in ein harmonisches Gleichgewicht bringen oder andersherum die ästhetischen Grobheiten solcher Kombinationen ertragen.

long time no see spricht eine kognitive Extraleistung des Hirns an, den Umstand, dass man die Wasserflecken an der eigenen Zimmerdecke schon seit fünf Jahren nicht mehr sieht. So wäre die verblüffte Reaktion etwa »lange nicht gesehen!«, wenn man gedankenverloren an die Decke starrt und dort die Wasserflecken vom Nachbarn über einem wiedertrifft, oder auf die tiefen Kerben in der Plastikverschalung des Fernsehers glotzt, die aus unbekannten Gründen entstanden, die Spuren im Laminat wieder entdeckt, seit man den Schrank vor Monaten umgestellt hat. Auch die Grobheiten der Kombination sind überall, aber man sieht sie nicht, das Hirn ist milde mit uns, wir sparen uns damit die Aufregung, angesichts irgendwie verlotterter, aber auch anarchisch poetischer Zustände, denen nur mit einer Grundreinigung und Renovierung zu begegnen ist. Man muss nicht in die USA reisen, man ist umzingelt von solchen Motiven, sieht sie aber besser auf den Fotos von Volker Renner als zu Hause.

 

Nora Sdun

 

 

 

Buch

 

Volker Renner: long time no see

 

224 Seiten, 4/4 farbig, Hardcover mit bedrucktem Bezug + partielle UV-Lackierung und ein handgeschriebener Post-it

240 mm x 280mm

ISBN : 978-3-86485-079-0

Preis : 46 €

Textem Verlag 2014

Gestaltung : Christoph Steinegger / interkool

Druck : druckhaus koethen

 

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