Künstler

 

WERNER BÜTTNER

geboren 1954 in Jena,

lebt und arbeitet in Hamburg

 

1961, kurz vor dem Mauerbau, Umsiedlung mit den Eltern nach München. 1968 Westberlin, dort Jurastudium (1973-1977). Ab 1978 Hamburg, nachdem er mit seinen Freunden Kippenberger und Oehlen beschlossen hatte, dem Leben getreu dem Motto „Feste Arbeit, fester Wohnsitz, feste Freundin“ eine solidere Basis zu verschaffen. Zusammenarbeit mit Georg Herold, Hubert Kiecol und Markus Oehlen.

1984 im Folkwang-Museum Ausstellung „Wahrheit ist Arbeit“ (kuratiert von Zdenek Felix), die zum Manifest der Gruppe wurde: Büttner, Texter und Stratege, Kippenberger der Aktionist, für alles und jedes gut, und Oehlen, der Malergott, zuständig für die mehr künstlerischen Belange. Seit 1989 Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Büttner über sich : „Das Schicksal sozialisierte mich zum Systemflüchter und demgemäß bevorzugte ich immer das Fragmentarische, Aphoristische, die Rätselrede, das kleine, poetische Dickicht. Die Koffer der Systeme sind mir zu schwer.“

 

 

GEORG HEROLD

geboren 1953 in Dortmund,

lebt und arbeitet in Köln

 

Herold ist in der Ausstellung mit der Arbeit „Ruhm und Ehre den Sowjetsoldaten“ vertreten. Sie passt nicht nur zum Standort Glienicker Brücke. Herold hat mit den Künstlern Büttner, Kippenberger und Oehlen in vielfacher Weise, nicht zuletzt in einer Reihe von Gemeinschaftsaustellungen, als Bruder im Geiste zusammengearbeitet.

Geboren wie Büttner in Jena. Nach einer Schmiedeausbildung in der DDR von 1977 bis 1983 Studium an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste wie Oehlen (bei Sigmar Polke) und Kippenberger. Ihn verbinden Spott und Ironie und eine Haltung des Widerstands gegen gesellschaftliche Regeln und Systeme mit den Künstlern der Ausstellung.

 

 

MARTIN KIPPENBERGER

geboren 1953 in Dortmund,

gestorben 1997 in Wien

 

Vater Bergwerksdirektor. 1968 Dekorateurslehre, abgebrochen wegen Drogenkonsums. 1970 Therapieaufenthalt bei Hamburg. 1971 bis 1977 Hamburg mit 16 Semestern Studium an der Hochschule für Bildende Künste ohne Abschluss. 1978 Berlin, Gründung von „Kippenbergers Büro“ mit Gisela Capitain. 1983 fester Wohnsitz Köln mit wechselnden Aufenthaltsorten wie Knokke, Rio de Janeiro, Sevilla, Los Angeles, St. Georgen (Familie Grässlin) und zuletzt – nach Heirat mit der Fotografin Elfie Semotan – im südlichen Burgenland.

1990 Gastprofessur an der Städelschule Frankfurt und 1992 Vorlesungen an der Yale University, den Universitäten Nizza, Amsterdam und der Gesamthochschule Kassel. Kippenbergers Werk ist in Retrospektiven 2006 der Tate Modern, London, und 2008/2009 des MOCA, Los Angeles, und des MoMa, New York, umfassend gewürdigt worden. Die Ausstellungen haben Kippenberger weltweit Anerkennung verschafft.

 

 

ALBERT OEHLEN

geboren 1954 in Krefeld,

lebt und arbeitet in Berlin und La Palma

 

1977 bis 1981 Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Claus Böhmler und Sigmar Polke. Ab 1981 Zusammenarbeit mit der Galerie Max Hetzler in Stuttgart, später Köln, der auch Büttner und Kippenberger vertrat. Ab 2000 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf.

Oehlens Werk ist heterogen angelegt mit figurativen, abstrakten und computeranimierten Phasen und Elementen, vielfach collagenhaft durchsetzt von Schriftzeichen und Slogans. Etliche Werke sind in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Büttner, Kippenberger, Herold, seinem Bruder Markus Oehlen oder Jonathan Meese entstanden.

Seinen bissigen Humor belegen insbesondere seine Selbstporträts und – exemplarisch – die hier zum ersten Mal öffentlich gezeigte 66-teilige Gemeinschaftsarbeit mit Kippenberger 14.000.000,– für ein Hallöchen. Oehlen gilt allgemein als einer der bedeutendsten deutschen Vertreter experimenteller Malerei nach Sigmar Polke.

Inhalt

 

Wahrheit ist Arbeit

 

Mit dem Verdikt „Tod der Moderne!“ eröffnete Charles Jencks 1977 seine Abhandlung The Language of Post-Modern Architecture. Es war eine Abrechnung. Die großen politischen und künstlerischen Entwürfe des 20. Jahrhunderts zur Schaffung einer neuen Gesellschaft, ja einer neuen Menschheit, wie sie Che Guevara mit der Figur des „Hombre Nuevo“ der 68er-Generation noch verkündet hatte, waren gescheitert. Die Zeit danach ist als Postmoderne, als Zeit ohne verbindliche Systeme und Vorgaben in die Geschichte eingegangen. Architektur und Kunst haben vorweggenommen, was sich gut zehn Jahre später mit der Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch des Ostblocks auch politisch vollzog.

 

Die Villa Schöningen am Potsdamer Ufer der Glienicker Brücke, eine Stätte der Begegnung und des Austauschs zwischen Ost und West, zeigte letztes Jahr die Ausstellung Wahrheit ist Arbeit mit Arbeiten von Werner Büttner, Martin Kippenberger und Albert Oehlen aus der Sammlung Falckenberg. Der Titel geht auf eine 1984 von Zdenek Felix im Essener Folkwang Museum kuratierte Ausstellung der drei Künstler zurück. Sie nahmen das Recht in Anspruch, sich in jede kulturelle Fehlentwicklung kommentierend einzumischen und nahezu jedes bemerkenswerte Ereignis mit Kunst zu versiegeln, damit bloß nichts verloren gehe von der schönen Zumutung Leben. Man könnte geradezu von einem närrischen Alleinvertretungsanspruch sprechen, und der Kleister, der diese Gruppe auf Zeit verband, war ihr Lachen wider alles. Es ging nicht um Gegenmodelle.

Absicht war viel mehr, das herrschende Ordnungs- und Kultursystem mit ätzendem Spott zu unterlaufen und allenfalls rudimentäre, zum Scheitern verurteilte Utopien und Romantizismen aufzuzeigen. „Jeder Mensch ist ein Künstler“, lautete Anfang der 70er Jahre das Credo von Joseph Beuys. „Jeder Künstler ist ein Mensch“, war kaum zehn Jahre später die lakonische Antwort Kippenbergers.

 

Buch

 

Harald Falckenberg (Hg.): Wahrheit ist Arbeit

 

Dieses Buch dokumentiert die Ausstellung „Wahrheit ist Arbeit“ in der Villa Schöningen, Potsdam

 

Kurator: Harald Falckenberg

 

Villa Schöningen, Potsdam, 3. Juli bis 31. Oktober 2010

 

Visualisierung: Jan Windszus, Alexander Schmidt, Berlin

Redaktion u. Lektorat: Harald Falckenberg, Larissa Hilbig, Gustav Mechlenburg

Installationsansichten und Außenaufnahmen: Jan Windszus

Werkaufnahmen: Egbert Haneke

Produziert von: Jan Windszus, Alexander Schmidt

Druck: Druckhaus Köthen

 

Verlag: Textem, Hamburg 2011

96 Seiten, 20 Euro

ISBN 978-3-941613-62-1

 

 

Bestellen unter: versand(at)textem.de

 

 

Textem-Verlag

Gustav Mechlenburg, Gefionstraße 16,

D-22769 Hamburg

Telefon (+49) 0-1705810536

E-Mail: post@textem.de

 

Textem-Kulturmagazin www.textem.de

Pressestimmen: Textem in den Medien

 

Auslieferung für Buchhändler:

SOVA, Fax: 069 / 41 02 80